Die Geschichte der Nähmaschine

Singer NähmaschineNatürlich ist die Nähmaschine nicht vom Himmel gefahren. Wie alle anderen technischen Geräte hat auch sie mehrere Entwicklungsschritte durchgemacht, ehe sie das wurde, was wir heute darunter verstehen. Wann die Nähmaschine erfunden wurde und welche Wandlungen sie im Laufe der Zeit durchlebt hat, können Sie hier nachlesen.

Von der Fischgräte zur Nähmaschine

Die Geschichte der NähmaschineWenn es um die Anfänge der Nähmaschine geht, muss man ziemlich weit in der Geschichte zurückgehen. Vor tausenden von Jahren nutzen Menschen erst Fischgräten und später auch spitze Knochen oder Horn, um damit ihre Kleidung zu nähen. Die ersten Nadeln aus Eisen wurden erst im 14. Jahrhundert hergestellt. All diese Entwicklungsschritte waren nötig, um die spätere Nähmaschine, die bis heute mit Eisennadeln arbeitet, auf den Weg zu bringen.

Das Nähen per Hand hatte eine lange Tradition und genoss einen guten Ruf. Der Beruf des Schneiders war sehr geachtet und brachte gutes Geld ein – schließlich ließen es sich vornehme Damen einiges kosten, ausgefallene Kleidung geschneidert zu bekommen.

Doch trotz aller Tradition und der Liebe zur Handarbeit kam ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Wunsch auf, die mühsame Arbeit durch eine Maschine zu ersetzen. Der erste Vorläufer der Nähmaschine – ein Gerät, das für Schuhmacher hergestellt wurde – wurde 1790 in England gebaut. Auch in anderen Ländern wurde mit Hochdruck an der Entwicklung einer Nähmaschine gearbeitet. Dieses parallele Wetteifern führte dazu, dass es keinen einzelnen „Vater der Nähmaschine“ gibt. Die Geschichte der Nähmaschine brachte vielmehr mehrere Erfinder hervor, die das Gerät zu dem machten, was es heute ist.

Die wichtigsten Personen in der Geschichte der Nähmaschine:

Person Hinweise
Thomas Saint baute 1790 eine Holz-Nähmaschine für Schuhmacher
Balthasar Krems erfand um 1800 eine Kettenstichnähmaschine, die eine Nadel mit Öhr benutzt
Barthélemy Thimonnier entwickelte 1829/30 das Nähmaschinenmodell Couseuse und gilt als erster Nähmaschinenfabrikant der Welt
Elias Howe gilt als Urheber der ersten modernen Nähmaschine, er erfand eine Maschine, die pro Minute bis zu 300 Stiche machen konnte
Isaac Merritt Singer ließ Nähmaschinen fabrikmäßig nach der Idee von Howe herstellen und machte die Maschine dadurch populär. Noch heute ist Singer ein Name, der untrennbar mit der Geschichte der Nähmaschine verbunden ist.

Übrigens: Der Erfolg von Singer wäre ohne Howe nicht möglich gewesen. Nachdem letzterer bemerkt hatte, dass sich Singer seiner Idee bedient hatte, reichte er eine Patent-Klage ein und erhielt Recht. Von da an musste Singer Patentgebühren an Howe bezahlen, bis dieser starb.

Von der Blütezeit zum Verfall

Nachdem die Nähmaschine erst einmal erfunden wurde, gab es zahlreiche Nachahmer, die das Grundprinzip nutzen und es auf andere Bereiche (beispielsweise das Nähen von Pelzen und Ledern) anwendeten. Außerdem kam es bei der Entwicklung und Herstellung zu einer Trennung zwischen Industrie- und Haushaltsnähmaschinen. Während der Blütezeit der Nähmaschinen gab es rund 200 Hersteller – und zwar allein in Deutschland. Auch andernorts, beispielsweise in den USA, boomte die Branche gewaltig.

Tipp! Die beiden Weltkriege bedeuteten jedoch das jähe Ende der florierenden Nähmaschinen-Industrie. Gesellschaftliche und politische Umbrüche sorgten dafür, dass kaum jemand eine neue Nähmaschine brauchte. Hinzukam, dass die Unternehmen, die Nähmaschinen herstellten, ihre Produktion mehr und mehr auf Kriegsgüter umstellen mussten. Nach dem 2. Weltkrieg hat es die Nähmaschinen-Branche nicht geschafft, sich zu erholen.

Ein Grund hierfür ist eine Entwicklung, die sich in den 1960er Jahren einstellte. Von da an überschwemmten billige Importe aus Fernost den europäischen Markt. Die günstigen Geräte wurden zu einem scharfen Konkurrenten der hochwertigen Nähmaschinen und verdrängten diese schließlich fast vollständig. Auch der allgemeine Trend in der Textilindustrie, der immer mehr in Richtung günstige Fertigkleidung ging, führte dazu, dass die Nachfrage nach Nähmaschinen stetig sank. Es war einfach nicht mehr notwendig, sich eine teure Nähmaschine anzuschaffen und seine Kleidung selbst zu nähen.

Vor- und Nachteile einer Nähmaschine

  • ideal für große und kleine Nähprojekte
  • riesige Auswahl
  • günstige Modelle sind ideal für Anfänger
  • Nähen ist wieder total im Trend
  • nicht alle Maschinen sind zum Sticken geeignet

Ein letztes Aufbäumen

Entgegen all dieser Trends und Entwicklungen gab es allerdings auch immer noch einzelne Unternehmen, die es schafften, sich über Wasser zu halten. Ihr Erfolgsrezept: Sie stellten Nähmaschinen unter anderem Namen her und lieferten Sie an Vertriebspartner. Das wohl prominenteste Beispiel hierfür ist VERITAS, das VEB Nähmaschinenwerk in Wittenberge. Das DDR-Unternehmen belieferte unter anderem den Versandhändler Quelle und baute Nähmaschinen unter den Namen „Ideal“ und „Brillant“. Auch wenn VERITAS hohe Produktionszahlen hatte und auch Nähmaschinen nach Westdeutschland verkauft, wurde der Betrieb nach der Wiedervereinigung liquidiert.

Mittlerweile werden in Deutschland keine Haushaltsnähmaschinen mehr produziert. Der einzige deutsche Hersteller, die Dürkopp-Adler AG in Bielefeld, stellt ausschließlich Industrienähmaschinen her – und das auch nur in kleinen Stückzahlen. Auch in den USA, der „Wiege der modernen Nähmaschine“ ist ein ähnlicher Rückgang der Branche zu verzeichnen.

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